Die Leitthese
2022 brachte einen Begriff hervor, der die SEO-Diskussion stärker prägte als die meisten einzelnen Core Updates: Helpful Content. Google formulierte ungewöhnlich deutlich, dass Inhalte für Menschen und nicht primär für Suchmaschinen erstellt werden sollten. Interessant war allerdings auch die Diskrepanz zwischen Ankündigung und zunächst messbarer Wirkung.
Helpful Content: große Botschaft, zunächst überschaubare SERP-Wirkung
Im August kündigte Google das erste Helpful Content Update an. Der neue Klassifikator sollte Inhalte erkennen, die primär für Suchmaschinen statt für Menschen produziert wurden. Google fragte unter anderem nach einem klaren Website-Fokus, eigener Erfahrung und danach, ob Nutzer nach dem Lesen ihr Ziel tatsächlich erreicht haben.
SISTRIX beobachtete nach der ersten Woche jedoch kaum Bewegungen außerhalb des üblichen Rauschens und bewertete später die kommunikative Wirkung des Updates als größer als den zunächst sichtbaren SERP-Effekt. Das ist für die historische Einordnung wichtig: Am 1. Januar 2023 konnte niemand seriös behaupten, Helpful Content habe bereits die gesamten Rankings umgekrempelt. Die Richtung der Qualitätsdebatte hatte es trotzdem verändert.
Core Updates, Reviews und SpamBrain
Core Updates im Mai und September sowie mehrere Product Reviews Updates hielten die klassische Update-Dynamik aufrecht. Ende 2022 folgte ein Link Spam Update, bei dem Google SpamBrain zur Erkennung unnatürlicher Links stärker einsetzen wollte.
Links waren damit keineswegs bedeutungslos. Aber die Vorstellung, Linkmengen ließen sich unabhängig von Qualität und Natürlichkeit skalieren, wurde erneut unattraktiver.
E-A-T bekommt ein zweites E
Im Dezember aktualisierte Google seine Quality Rater Guidelines: Aus E-A-T wurde E-E-A-T, ergänzt um „Experience“. Die Rater Guidelines waren weiterhin kein Katalog direkter Rankingfaktoren. Die Ergänzung passte aber auffällig gut zur Product-Reviews- und Helpful-Content-Linie: Eigene Erfahrung sollte besser von bloß zusammengetragenem Wissen unterscheidbar werden.
Und dann kam ChatGPT
Ende November wurde ChatGPT öffentlich verfügbar und machte innerhalb weniger Wochen deutlich, wie billig Textproduktion werden konnte. Zum 1. Januar 2023 war völlig offen, wie Google darauf reagieren würde. Gerade deshalb war die Helpful-Content-Frage plötzlich noch relevanter: Wenn Text nahezu unbegrenzt erzeugbar wird, muss sich Qualität an etwas anderem als Textmenge bemessen.
Was blieb von 2022?
Die richtige Konsequenz war nicht, jedes alte SEO-Verfahren über Bord zu werfen. Websites sollten vielmehr prüfen, wo Inhalte austauschbar, rein suchmaschinengetrieben oder ohne eigene Informationsleistung waren. Thematischer Fokus, Erfahrung und tatsächlicher Nutzen wurden zu strategischen Kriterien.
2022 war damit vor allem ein Jahr, in dem Google die Qualitätsfrage neu formulierte – noch bevor klar war, wie stark die dazugehörigen Systeme die SERPs tatsächlich verändern würden.
Quellen
- Google Search Central, „Helpful content update“, 18.08.2022: https://developers.google.com/search/blog/2022/08/helpful-content-update
- SISTRIX, „Google announces Helpful Content Update“, 19.08.2022: https://www.sistrix.com/blog/google-announces-helpful-content-update/
- SISTRIX, „Helpful Content Update: no relevant changes after the first week“, 31.08.2022: https://www.sistrix.com/blog/helpful-content-update-no-relevant-changes-after-the-first-week/
- SISTRIX, „Helpful Content Update: Google’s Message has the Biggest Impact“, 14.09.2022: https://www.sistrix.com/blog/helpful-content-update-googles-message-has-the-biggest-impact/
- Google Search Central Blog-Archiv 2022 (E-E-A-T/Quality Rater Guidelines): https://developers.google.com/search/blog