Die Leitthese
2020 war weniger das Jahr eines einzelnen revolutionären Google-Updates als ein Jahr, in dem sich mehrere Linien verdichteten: Core Updates blieben der große Unsicherheitsfaktor, Suchintention und Qualitätsbewertung wurden wichtiger, und mit den Core Web Vitals kündigte Google für 2021 erstmals sehr konkret messbare Signale zur Seitenerfahrung an. Wer am 1. Januar 2021 auf das Jahr zurückblickte, hatte deshalb keinen Anlass, SEO neu zu erfinden – wohl aber, es ganzheitlicher zu betreiben.
Drei Core Updates – und keine einfache Reparaturformel
Google bestätigte 2020 Core Updates im Januar, Mai und Dezember. Besonders das May Core Update sorgte für starke Verschiebungen. SISTRIX dokumentierte bei großen Domains zweistellige bis sehr hohe Sichtbarkeitsgewinne und -verluste. Die Muster waren jedoch keineswegs so sauber, dass sich daraus ein einzelner neuer Rankingfaktor ableiten ließ.
Das war eine wichtige Lehre des Jahres: Ein Core Update war keine Penalty mit einer Checkliste zur Reparatur. Googles eigene Linie blieb, die Gesamtqualität einer Website zu betrachten. Hinzu kam 2020 die Corona-Pandemie. In vielen Branchen änderte sich die Nachfrage so stark, dass algorithmische Effekte und verändertes Suchverhalten sorgfältig getrennt werden mussten.
Core Web Vitals: wichtig – aber nicht wichtiger als der Inhalt
Im Mai stellte Google die Core Web Vitals als Teil eines künftigen Page-Experience-Signals vor. Gemessen werden sollten Ladezeit, Interaktivität und visuelle Stabilität. Im November wurde der Start für Mai 2021 angekündigt.
Die SEO-Branche reagierte erwartbar nervös. Googles eigene Aussage war allerdings bemerkenswert nüchtern: Eine gute Page Experience sollte hervorragende, relevante Informationen nicht überstimmen. Bei ähnlich guten Inhalten könne sie jedoch den Ausschlag geben. Genau so war das Thema zum Jahreswechsel sinnvoll einzuordnen: technische Hausaufgabe, ja; neuer alleiniger Rankinghebel, nein.
E-A-T, Suchintention und die Grenze mechanischer SEO
E-A-T – Expertise, Authoritativeness und Trustworthiness – blieb vor allem bei sensiblen Themen ein zentraler Bezugsrahmen. Dabei musste man schon damals sauber formulieren: E-A-T war kein einzelner messbarer Rankingfaktor. Es half vielmehr zu verstehen, welche Art von Qualität Google insbesondere bei YMYL-Themen suchte.
Parallel wurde Search Intent operativ immer wichtiger. Eine Produktseite rankt nicht zuverlässig für eine Suchanfrage, bei der Google überwiegend Ratgeber zeigt – egal wie oft das Keyword eingebaut wird. Damit verlor die mechanische Keyword-Optimierung weiter an Bedeutung.
Was blieb von 2020?
Zum 1. Januar 2021 ergab sich eine klare Agenda: Core-Update-Verluste nicht mit hektischen Einzelmaßnahmen beantworten; Inhalte stärker auf Suchintention und tatsächlichen Nutzen ausrichten; technische Qualität und Mobile ernst nehmen; Core Web Vitals vorbereiten; Expertise und Vertrauen langfristig aufbauen.
2020 war damit kein Bruch mit klassischer SEO. Es war ein weiteres Jahr, in dem Google deutlich machte, dass gute Rankings immer weniger aus einem einzelnen Hebel entstehen.
Quellen
- Google Search Central, „Evaluating page experience for a better web“, 28.05.2020: https://developers.google.com/search/blog/2020/05/evaluating-page-experience
- Google Search Central, „Timing for bringing page experience to Google Search“, 10.11.2020: https://developers.google.com/search/blog/2020/11/timing-for-page-experience
- SISTRIX, „Google Core Update May 2020“, 08.05.2020: https://www.sistrix.com/blog/google-core-update-may-2020-whirlwind-through-the-serps-despite-covid-19/
- SISTRIX, „Core Update December 2020“, 06.12.2020: https://www.sistrix.com/blog/core-update-december-2020-googles-christmas-present/